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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Canada/USA/Übersee
Canadafan Offline



Beiträge: 35

06.02.2006 17:34
Canada - Alaska Teil 6 antworten
11.08.
Schon um 07:00 Uhr rollen wir wieder auf den Glen Hwy. Noch 22 km sind es bis zum nächsten Ort Glenallen. Dabei nähern wir uns immer mehr den Wrangell Mountains.In Glenallen (1.000 Einw.)fahren wir auf den Tok Cut Off Hwy.d er uns nach Norden führt. Auch hier halten uns meilenlange Baustellen auf.
Wir erreichen einpaar kleine Siedlungen und schließlich sind wir um 11.00 Uhr in Tok, wo wir zu Beginn unserer Alaskareise schon mal waren. Beim Tanken beschließen wir weiter bis Dawson City zu fahren. Da liegt zwar ein weiter Weg noch vor uns - es ist aber noch früh am Tag. An einem Würstchenstand essen wir eine Cariboo Bratwurst (sehr lecker!), dann fahren wir 11 km aus Tok heraus auf den Taylor Hwy. Jetzt geht es steil bergauf. Heute ist dieser Hwy. zu 75% (bis zum Fork Creek)geteert; bei meiner letzten Reise begann hinter der Steigung schon die Schotterpiste. Wir klettern bis auf 1.700 m m am Mt. Fairplay hoch und haben eine herrliche Aussicht auf die Bergkette der Alaska
Range. Doch mit der guten Aussicht soll es sich bald ändern. Dichter Dunst liegt über der Gegend um uns und die Sonne kann nicht durch die Dunstglocke scheinen. Außerdem riecht es verbrannt.
Als wir in den kleinen Ort Chicken kommen, erfahren wir, daß bei Eagle weiter nördlich große Waldbrände sind. Der Wind kommt aus der Richtung, daher der Dunst. Aber nun zu Chicken: ganze 40 Einw. zählt das Kaff - und das auch nur im Sommer. Aber sie begrüßen ihre Gäste mit einem Schild:"Welcome in Beautiful Downtown Chicken"!
Schon 1886, zehn Jahre vor dem Klondike -Goldrausch wurde hier Gold gefunden. Damals nannten die Goldsucher ihr Dörfchen Ptarmigan, was Schneehuhn bedeutet. Diese Schnee-hühner gab es sehr oft in der Gegend und waren die Hauptnahrung der Miner. Da aber die Goldschürfer nicht so recht wußten wie man es schreibt, nannten sie es kurz und bündig "Chicken".
Wir machen auch einen Stopp und gehen nach "Downtown" Chicken. Es besteht aus vier anaeinandergereihte Hütten.Ein Souvenierladen, ein Liquor Store, eine Bar und ein Restaurant.In puncto Sauberkeit sollte man hier nicht so empfindlich sein. Die Toilette besteht aus 4 "Donnerbalken". In jeder der Holzkabinen sind je 2 für Männlein und Weiblein. Die sind natürlich nebeneinander, damit ist auf dem Örtchen nicht so Langweilig wird! Dennoch herrscht hier reger Betrieb. Für Reisende ist es ein Mußhier anzuhalten.
Kurz hinter Chicken wird die Straßenbeschaffenheit schlechter. Die Straße wird enger und holpriger. Wieder schüttelt sich unser Wohnmobil und protestiert laut. Am Wade Creek liegt eine alte, velassene Dredge (Goldschürfmaschine)aus dem Jahr 1934. Sie rostet still vor sich hin. Wir bleiben stehen und machen uns Gedanken darüber unte welchen Bedingungen die Menschen damals das Material hierhergebracht haben. Da gab es noch nicht die Transportmittel und Straßen wie heute. Die Gedanken verstärken sich noch, als wir die schweren Umlenkrollen und Zahnräder im Innern der Dredge sehen.
Dann erreichen wir die Abzweigung nach Eagle. Wir kommen jetzt auf den Top of the World Highway in Richtung Dawson City. Bald schon macht der Hwy. seinem Namen alle Ehre. Wir erreichen die baumwuchsgrenze. Wenn nur der Dunst nicht wäre!!!
An Boundary, der letzten kleinen Siedlung mit Tankstelle erreichen wir die Grenzsta-tion zwischen Alaska und Canada (Yukon). Eine sehr freundliche amerikanische Grenzbe-amtin fertigt uns ab indem sie ein paar Fragen stellt nach Waffen, in Alaska gekauften Zigaretten oder Alkohol, konntrolliert die Reisepässe. Als ich ihre Fragen verneine und sie darauf hinweise, daß die 3 Fahrzeuge hinter mir auch dazugehören und wir uns an der Reise erfreuen und deshalb keinen Alkohol trinken würden, können wir passieren, und sie wünscht uns weiterhin noch einen schönen Urlaub.Wenn die wüßte, wieviel Zigaretten und Whiskey wir dabei hatten!!- Glück gehabt. Von kanadischen Grenzbeamten war gar nichts zu sehen. 105 km sind es noch bis Dawson City.
Aber jetzt ist die Fahrbahn wieder geteert. Noch höher hinauf schlängelt sich der Top of the World Highway. Wir kommen durch die schroffen Felsengebilde des Castle Rock. Wenn nur die Sicht besser wäre!
Dann geht es lange Zeit bergab. Wir nähern uns dem Yukon und somit der alten Goldgräbermetropole Dawson City. 5 km vor Dawson hat man von einem Aussichtspunkt aus freie Sicht auf den Yukon River und die dahinterliegende Stadt mit dem Midnight Dome im Rücken.
Ein paar km und wir reihen uns in die Warteschlange zur Fähre ein. Ein Brücke wird nicht gebaut. So bringt uns die kostenlose Fähre über den Fluß. Etwa 10 Min. kämpft sie gegen die starke Strömung, dann haben wir unser Etappenziel nach 610 km (!)erreicht.
Dawson City war die erste Hauptstadt, nachdem in 1898 der Yukon eigenständiges Territorium wurde. Bedingt durch die günstigere Lage und besseren Verkehrsanbindungen wurde der Regierungssitz 1953 nach Whitehorse verlegt.
1960 wurde die Stadt zum "nationalen historischen Park" erklärt. Einige der alten Gebäude wurden nachgebaut, andere restauriert.
Am 16.08.1896 schürfen Skookum Jim und Dawson Charlie - zwei Indianer vom Tagish Stamm - mit ihrem amerikanischen Freund George Carmacks nch Gold. Sie vorher schon Gold am Yukon gefunden, doch diesmal war es etwas besonderes: der Fundort sollte als das größte Goldvorkommen der Welt bekannt werden. Die Entdeckung geschah an einem Tag, die Auswirkungen sollten Jahre anhalten.
Die Nachricht über diesen Golfund verbreitete sich in Windeseile über die ganze Welt. Anenteurer setzten sich in Bewegung - einige wenige fanden ihr Glück, viele scheiter-ten.
Danach wuchs Dawson zunächst als morastiges Camp am Zusammenfluß von Klondike und Yukon stetig an. Innerhalb von 2 Jahren stieg die Einwohnerzahl auf über 30.000 an. Joe Ladue erkannte schnell die Marktlücke und erbaute ein Sägewerk und konstruierte Häuser. Das erste Wohnhaus stellte er am 01.09.1896 auf. Innerhalb von 6 Monaten hatte er über 500 Häuser errichtet. Ebenso verkaufte er die Baugrundstücke, die ersten für 5 - 300 US$, später für 400 US$.
Sehr schnell wurde Dawson die Stadt der sozialen Gegensätze. Während die einen schon zum Frühstück Kaviar und Hummer aßen, mußten andere mit altem Brot, Tee und Schmalz auskommen. Die einen hielten üppige Parties, während andere mit Skorbut, Syphilis, Typhus und anderen Krankheiten dahinsiechten. Es gab zwar viele Ärzte, doch für 200 US$ pro Arztbesuch konnten sich nur wenige leisten.
Da die Häuser sehr schnell aufgebaut wurden, war Feuer duie größte Gefahr., denn jegliche Art von Brandschutz wurde außer Acht gelassen. Die Stadt war gerade ein Jahr alt, als am 25.11.1897 in einem Saloon bei -25°C Außentemperaturen ein Feuer ausbrach. Eine Tänzerin hatte mit einer brennenden Lampe nach einer Rivalin geworfen. Der Saloon und die Oper wurden zerstört.
Ironischerweise war es die selbe Tänzerin, die am 18.10.1898 für ein erneutes Inferno sorgte. 2 Hotels, die Post und 22 Wohnhäuser brannten ab, weil die Frau eine brennende Kerze auf einem Holzklotz vergessen hatte.
Als am 13.06.1898 das eigenständige Yukon Territory gegründet war, kam ein Gerichtshof nach Dawson City. Die Stadt wurde "gesäubert". Eine Branwehr bildete sich und es wurde ein Abwassersystem gebaut. Jetzt gab es auch Vorschriften über Trinkwassernutzung und Müllbeseitigung. Illegale Ansiedler mußten ihre Behausungen verlassen, Saloons , Theater und Geschäfte erhielten Lizenzen. Das Tragen von Handfeuerwaffen wurde verbo-ten. Gerade als diese neuen Gesetze griffen, kam im Winter 1898 die Nachricht, daß in Nome ein großes Goldvorkommen sei. Viele verließen daraufhin über den zugefrorenen Yukon River die Stadt, andere warteten bis zum Frühjahr. Das war der Anfang vom Niedergang in Dawson City. Heute leben hier noch etwa 2.000 Menschen.

Wir fahren auf den Campingplatz in der Stadt und haben Glück, daß wir 4 Stellplätze für die nächstenbekommen. Er ist zwar primitiv und teuer, aber dafür zentral gelegen.
Da wir heute doch viele km "geschrubbt" haben, wollen wir nichts mehr in dason unternehmen, sondern sitzen mit Traudel und Helmut aus der Steiermark bei Bier und österreichischem Obstler zusammen.

(Ich habe Dawson City etwas mehr beschrieben. Noch heute geht ein unheimlicher Flair von dieser Stadt aus. Man fühlt sich zurückversetzt in die Zeit des Goldrausches. Dafür sorgen nicht nur die Häuser im damaligen Baustil und die Bretterbürgersteige (Boardwalks), sondern auch die Saloons und Diamant Tooth Gerties Gamble (Spiel)Hall.
Auch die Museen und das ehemalige Wohnhaus von Jack London sind sehenswert und strömen den Geist von damals aus.)Hier könnte man allein eine Woche bleiben.
Morgen gehts weiter.

Camper94 ( gelöscht )
Beiträge:

12.02.2006 10:25
#2 RE: Canada - Alaska Teil 6 antworten

Hallo Canadafan,

vielen Dank für deinen tollen Reisebericht. Es ist sehr interessant, von dir in ein anderes Land und teilweise sogar in eine andere Zeit mitgenommen zu werden.

Viele Grüße von Camper94
unterwegs mit T4 und Tabbert Comtesse

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