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Dieses Thema hat 15 Antworten
und wurde 1.310 mal aufgerufen
 Camping mit Zelt
wrzlbrnft ( Gast )
Beiträge:

31.01.2006 20:04
Zelten, oder ein Reisebericht von 1954 antworten

Hi Camper
Günni weiß nicht, wohin er diesen Beitrag schreiben soll. Er hat jetzt mal diesen thread gewählt, weil er unter "Reiseberichte" vielleicht auch nicht so optimal passt, da er ja nicht mehr verwertbar ist und nur Vergandenheit .

Günni war Lehrling, aber schon "Zeltler", Camper gab's damals noch genausowenig wie WW und "denglisch" war unbekannt. Es hieß also noch zelten.
Wenn einer ein Auto besaß (Goggomobil, Lloyd, VW oder Borgward), so spielte er in der Öffentlichkeit immer mit dem Autoschlüssl damit es auch jeder sah. Selbst der Besitz einer DKW, NSU, Zündapp oder BMW zeugte bereits von Reichtum.
Es versprach, ein schönes Osterwochenende zu werden. Also hat Günni einen Freund animiert und wir sind gemeinsam mit dem Drahtesel am Karfreitag vom münchner Norden zum Stanberger See geradelt.
Es war brütend heiß, die Sonne brannte vom Himmel, der Asphalt klebte am Reifen.
Eigentlich wollten wir ja an die Ostersee'n, südlich des Starnberger See's, in der Hoffnung dort schon baden zu können, aber die Hitze hat uns so zugesetzt, daß wir in St. Heinrich, 20 km früher, das Handtuch geworfen haben.
Bepackt waren wir wie die Maulesel. Zelt, Luftmatratzen, Decken, - Schlafsäcke hatten wir nicht, Lebensmittel für 4 Tage, Geld hatten wir ja auch nicht.
Das Zelt war ein altes 2-Mann Wehrmachtszelt, es hatte keinen Boden, sowas gab's damals auch noch nicht. Man mußte halt einen Graben ums Zelt ziehen, damit kein Wasser rein läuft.
Aber was sollte es, die Sonne brannte vom Himmel, der Platz war schön, wir hatten sogar fließend Wasser, da wir unser Zelt neben einem Bach aufgeschlagen hatten. Das Rauschen empfanden wir als angenehm beruhigend. Damals war die Welt auch noch nicht so reizüberflutet.
Zum See brauchten wir nur über die Straße gehen, es kam ja kaum ein Auto. (heute gibts da eine Fußgängerunterführung, weil man anders nicht mehr über die Staße kommt).
Wir haben also unseren Spirituskocher angeschmissen, uns ein Maggisüppchen gekocht (Grill war damals auch noch unbekannt)und ein Butterbrot dazu gegessen. Dann sind wir zum Seeufer gegangen und haben den Sonnenuntergang bei einer Zigarette genossen.
Danach haben wir uns in unsere Decken gekuschelt und sind, müde wie wir von der Reise waren, auch gleich eingeschlafen.
Mitten in der Nacht fängt mein Freund plötzlich lauthals zu fluchen an.
Wo ist die Taschenlampe ? ah ja, in der Apsis im Rucksack. Wer Ordnung hält ist nur zu faul zum suchen.
Taschenlampe endlich gefunden, was ist los ? oh je, die Matratze ist nicht dicht. Keine Luftpumpe - also ran mit dem Mund.
Das haben wir dann noch zweimal wiederholt, aber die Taschenlampe haben wir immer gleich gefunden.
Dann fing es an zu Regnen.
Verdammt, keinen Graben gezogen. Und da wir an einem Hang standen kam auch schon das Wasser. Na ja, morgen...... wir waren zu müde noch irgend etwas zu unternehmen. Wenn nur diese verdammte Tröpfelei nicht gewesen wäre. Die Zelte bestanden ja aus Baumwollgewebe, Nylon oder so gab's noch nicht. Wenn man also innen an die Zeltwand stieß, tröpfelte das Wasser rein. Man mußte dann rausgehen, einmal mit dem Finger sanft von oben nach unten streichen, damit sich die Gewebehärchen wieder schön nach unten legen und den Fluß des Regenwassers nicht nach innen leiten (know how von 1954)!
O.k. das war die erste Nacht.
Aber es regnete am Karsamstag immer noch.
Also erstmal den Graben ums Zelt gezogen.
Mittlerweile war natürlich alles feucht.
Trockenraum ? So was gabs nicht mal im Traum.
Nur, eine feuchte Luftmatratze kann man nicht flicken.
Irgendwie haben wir's dann doch geschafft.
Nur dieses ewige Liegen oder Hocken. Das Zelt war ja nur einsfünfzig hoch. Das Kochen im Zelt war mit dem Spirituskocher auch nicht das Gelbe vom Ei.
Und es hörte nicht mit dem Regnen auf.
Wir lagen also den ganzen Tag auf dem Bauch oder Rücken und lasen "Schundhefte". So hießen die Schmöker damals.
Irgendwie wurde es dann Ostermontag und der Tag der Heimfahrt war endlich gekommen.
Und die Sonne brannte vom Himmel und der Asphalt klebte am Reifen und uns hing die Zunge bis zum Nabel.
Irgendwo hat Günni dann den Durst nicht mehr ausgehalten. Das Taschengeld ist ja für Schundhefte draufgegangen, also mußte man irgendwo an was zu trinken kommen. Günni wußte da einen Brunnen!
Prima, also noch einen Umweg eingelegt und den Braunnen aufgesucht.
Aber oh Schreck, der Brunnen war noch im Winterschlaf und mit Brettern vernagelt.
Durst ist schlimmer wie Heimweh!
Wir sind dann noch ein Stückchen geradelt und kamen in eine Vorstadtsiedlung (Pasing). Hier hat Günni dann einfach irgendwo geklingelt.
Es kam ein altes Mütterchen an die Gartentür und fragte nach unserem Begehr. Eine reizende alte Dame, aber sie sah aus wie die Hexe aus Hänsel und Gretel.
Günni trug also seinen Wunsch nach einem Schluck Wasser vor. Die alte Dame (Gott hab sie selig) nickte verständnisvoll und schlurfte in's Haus, um kurz darauf mit einem Maßkrug frischen klaren Leitungswassers
wieder zu erscheinen.
Günni nahm ihn dankend entgegen, drehte ihn entgegen seiner Gewohnheit mit dem Henkel nach links, denn er wollte nicht da rrinken, wo die Alte immer trinkt und nahm einen kräftigen Schluck um ihn dann an seinen Kumpel weiter zu reichen.
Da sagte die Alte: "warum nehmen Sie den Krug so ungewöhnlich in die Hand ?" Günni stammelte verlegen irgendetwas. Da sagte die alte Dame: "es ist ungewöhnlich, aber so nehme ich denn Krug auch immer......."
Es ist wirklich so passiert.
Gruß: Günni


Des Campers Fluch: 3 Tage Regen... und Besuch

BaG Offline




Beiträge: 275

31.01.2006 20:38
#2 RE: Zelten, oder ein Reisebericht von 1954 antworten

Einfach klasse Günni,
ich kann´s mir Bildlich vorstellen! Alles!!! denn die Geschichte des Camping der 50er bis 70er ist mein Hobby
und das praktiziere ich heute noch sehr oft

ich lecht´se nach mehr solcher Berichte!


Gruss BaG
Ich bin halt so wie ich bin. Manche kennen mich, manche können mich.

Artox Offline




Beiträge: 145

31.01.2006 21:08
#3 RE: Zelten, oder ein Reisebericht von 1954 antworten

Hallo Günni,
wirklich ein toller Bericht. Irgendwie kann ich mir das alles richtig schön bildlich vorstellen. Natürlich nur in schwarz-weiß, denn Farbfernsehen gab es ja damals nicht
Grüße
Horst
"Oft ist das Denken schwer, indes das Schreiben geht auch ohne es"
W. Busch

Camper94 ( gelöscht )
Beiträge:

31.01.2006 21:22
#4 RE: Zelten, oder ein Reisebericht von 1954 antworten

Hallo Günni,

danke für deinen tollen Bericht. Das mit dem Baumwollzelt kenn ich auch noch. Aber meine "Dackelgarage" hatte immerhin einen gummierten Boden. Dackelgarage weil es halt nicht 1,50 m hoch war, sondern ca. 80 cm.

Viele Grüße von Camper94
unterwegs mit T4 und Tabbert Comtesse

Lofottroll ( Gast )
Beiträge:

31.01.2006 21:30
#5 RE: Zelten, oder ein Reisebericht von 1954 antworten

Hallo Günni,
einfach köstlich dein Bericht. Ja auch ich habe in meinen Anfängen im Baumwollzelt gepennt. Dat Dinges war so gut, da konntest nachts die Sterne sehen. Aber egal Hauptsache draußen. Damals über Pfingsten immer auf der Insel Neuwerk. Hatte für uns Kultstatus. Aber Neuwerk kennt hier wohl niemand.

schöne Grüße
Werner

Wilk S4 450HTD VW-Touran 2.0 TDI

Jürgen Offline




Beiträge: 275

31.01.2006 21:36
#6 RE: Zelten, oder ein Reisebericht von 1954 antworten

Hallo Lofottroll,
vom Namen her kenne ich die Insel schon, nur konnten wir bei unserem Besuch in Sahlenburg nicht zur Kutschfahrt hinüber nicht entschliessen, mitte Oktober (2004) war es uns dafür zu kühl. Sie gehört zu Hamburg, oder?

Gruß, Jürgen

BaG Offline




Beiträge: 275

31.01.2006 21:38
#7 RE: Zelten, oder ein Reisebericht von 1954 antworten

Hallo, Zelte mit Gummiboden gab es auch schon in den 20er/30er Jahren aber leisten konnten sich diese halt nicht viele was wohl verständlich war!
Übrings den ersten echten Faltcaravan gab´s ab 1936/37mit dem schönen Namen "Hausdabei"

Nur mal so zur Info ohne besserwisserei!


Gruss BaG
Ich bin halt so wie ich bin. Manche kennen mich, manche können mich.

Trollwinni ( Gast )
Beiträge:

31.01.2006 21:41
#8 RE: Zelten, oder ein Reisebericht von 1954 antworten

Hat nicht mal Kommisar Stöver auf Neuwerk ermittelt??? Tolle Insel!!!

Lofottroll ( Gast )
Beiträge:

31.01.2006 22:36
#9 RE: Zelten, oder ein Reisebericht von 1954 antworten

Hallo Jürgen,
hättest mal rüber fahren sollen mit dem Wattwagen. Ist schon ne besondere Insel. Und sie gehört in der Tat zu Hamburg.

Hallo Trollwinni,
jop hast recht, es wurde mal ein Tatort auf der Insel gedreht. Mit Komissar Stöver. Aber sag mal, du mußt die Insel doch kennen als bekennender Minimalist. Da gibts genau den richtigen Campingplatz für dich. Aber eben nur mit Zelt. Ich sag dir eine Woche Neuwerk und es fällt alles von einem ab.

schöne Grüße
Werner

Wilk S4 450HTD VW-Touran 2.0 TDI

Cochise Offline

Moderator


Beiträge: 281

01.02.2006 14:02
#10 RE: Zelten, oder ein Reisebericht von 1954 antworten

Nach Rücksprache mit den Usern wurde die Diskussion über Klepper-Zelte in ein eigener Thread verschoben.


Einen schönen Gruß aus dem "wilden" Westen!
Cochise.


unterwegs mit Hyundai Terracan und Bürstner Amara 500 TS Luxus

morgenröte Offline




Beiträge: 86

03.02.2006 18:15
#11 RE: Zelten, oder ein Reisebericht von 1954 antworten

@ Günni, das war ein sehr bildfhafter Bericht. Hat richtig Spaß gemacht beim Lesen. Meine Jungs sind auch hart im Nehmen mit nem Igluzelt aber ich bin ehrlich zu bequem.

@ lofotroll, den Tatort habe ich 2x gesehen nur wegen Neuwerk. Wollte immer so gerne mal zu Fuß dahin, aber keiner hat Lust so weit mit mir zu wandern. Stelle ich mir aufregend vor zu einer Insel über den Meeresgrund zu gehen, solange man sich nicht verläuft oder nichts verknackst.

Gruß Andrea

Trollwinni ( Gast )
Beiträge:

04.02.2006 09:15
#12 RE: Zelten, oder ein Reisebericht von 1954 antworten

Hallo Andrea,
dann gibt es doch nur eins: wir machen einfach ein Treffen auf diesem Campingplatz http://www.cuxland.de/ferienland/camping...g.html?navid=13

und dann wandern wir als ganze Gruppe einfach mal rüber, sozusagen auf Stövers Spuren, mit Kindern, Hunden etc.


Lofottroll ( Gast )
Beiträge:

04.02.2006 09:29
#13 RE: Zelten, oder ein Reisebericht von 1954 antworten

Hallo Trollwinni,

au ja, gute Idee. "Ich würde mich auch als Führer anbieten". Bin amtlich anerkannter Wattgänger.
Das würde garantiert ne Mords-Gaudi. Ein wenig Kondition ist allerdings mitzubringen. Sind ca 11 km durchs Watt. Aber die Insel ist echt geil .
Zurück mit dem Schiff, und ein wunderschöner Tag läge hinter uns. Ach ich komm schon wieder ins schwärmen.
Und abends dann gemeinsam unterm Vorzelt noch nen Roten köpfen, damit das hier nicht völlig OT ist.

schöne Grüße
Werner

Wilk S4 450HTD VW-Touran 2.0 TDI

Trollwinni ( Gast )
Beiträge:

04.02.2006 10:07
#14 RE: Zelten, oder ein Reisebericht von 1954 antworten

Moin Lofotroll,
also wir Trollwinnis sind auch begeisterte Wattgänger. Nur einmal hat die Flut uns überrascht: wir waren vor der Insel Fanö in Dk ziemlich weit ins Watt gelaufen, haben Seehunde fotografiert und Bernstein gesucht und dabei völlig die Zeit vergessen. Irgendwie waren die Prile schon zugelaufen, und wir mußten durch einen solchen durchschwimmen. Ich hatte ( wie meist) meine Lederhose an, die beim Schwimmen schwer wie Blei wurde und mußte mit einer Hand die Kamera übers Wasser halten. Die Kids konnten Gott sei Dank schon alle schwimmen und fanden es spannend. Seit dem orientieren wir uns genauer, nehmen Uhr und Kompass mit, aber das Wattlaufen ist wie eine Sucht.
Zum testen für angehende Wattläufer empfehle ich den Campingplatz in Schobuel http://www.ferienzeit.com/seeblick/ da kann man direkt vom Wohnie aus die Hose hochkrempeln und durch die Pampa waten, da ist richtig fetter Wattschlick!!

Der Ort Schobuel ist ein echtes Kleinod, man kann zur Halbinsel Nordstrand joggen/ gehen , ca. 6 km und mit dem Rad nach Husum fahren ( ca. 4 km)
Direkt am Platz ein Steg, der bei Ebbe an Land ist, und bei Flut kann man vom Steg aus ins Wasser springen

Trollwinni,
der jetzt Hunger auf Scholle bekommen hat, und einen trockenen Weissen dazu...

wrzlbrnft ( Gast )
Beiträge:

13.02.2006 22:30
#15 RE: Zelten, oder ein Reisebericht von 1954 antworten

Hallo Camper

Es ist sehr traurig, wie hier wieder die OT - Fraktion zugeschlagen hat.
Ist es Neid
Ist es Eifersucht
Oder Unfähigkeit, einen eigenen thread über Wattwanderungen zu eröffnen
Günni wird sich schwer überlegen, ob er nochmal sowas schreibt !

Günni.


Des Campers Fluch: 3 Tage Regen... und Besuch

Tscharlie Offline




Beiträge: 100

13.02.2006 22:41
#16 RE: Zelten, oder ein Reisebericht von 1954 antworten

Ein mir bekanntes Ehepaar (leider schon lange gestorben) hat in den 50ern immer Urlaub in Italien mit der Vespa gemacht. Auch als der Sohn schon geboren war. 2 und 1/2 Personen, Zelt, Kochgeschirr, Kleidung alles auf die Vespa gepackt, dann 200km zum Brenner da rauf, und dann 250 km an die Adria. Alles mit 125ccm und 5,4 PS. Wahnsinn!

Tscharlie

Touring forever? oder doch Vepa?

 Sprung  

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